„i [don’t] believe in sex“

folgender text ist eine antwort_ergänzung auf den text „i don’t believe in sex – über das konstrukt „sex“ und grenzüberschreitungen“ von riot trrrans*. hier wird ganz viel fehlen und einiges könnte ich noch um einiges weiter ausführen, aber vielleicht mache ich das ein andermal.

das gefühl, kompromisse eingehen zu müssen oder noch deutlicher ausgedrückt: grenzüberschreitungen zuzulassen, nicht nein zu sagen, nicht so sex haben zu können wie ich es wirklich möchte oder nicht keinen zu haben weil ich das so möchte. das war sehr lange zeit ziemlich selbstverständlich für mich.
erst langsam lerne ich überhaupt meine eigenen grenzen kennen und lerne, mich dafür nicht zu bewerten. mich nicht als langweilig, komisch oder unfähig zu empfinden weil ich grenzen habe und weil ich manche dinge mag die im gesellschaftlich vorgesehenen sex-katalog (für lesben) nicht vorgesehen sind und weil ich manche dinge nicht mag die darin vorgesehen sind.
sondern eben herauszufinden was ich wirklich will. und was ich wirklich nicht will. was mir spaß macht und womit ich mich wohl fühle.
und dass alles bei und mit dem ich mich nicht wohlfühle, dann auch kein thema sein sollte.
das problem sind ja schon die ganzen pakete an vorstellungen / vor_vermutungen, wie sex in welcher reihenfolge abzulaufen hat, dass ein unbedingter austausch von körperlicher nähe in einer ganz bestimmten art und weise, zwischen mindestens zwei personen mit ganz bestimmten körpern abzulaufen hat.
bei mir führte das dazu, dass ich eigentlich immer ein gewisses unwohlsein hatte, sagen wir, ab einem gewissen grad von intimität. immer einen ganz bestimmten (leistungs-)druck gespürt habe. etwas angst, angst etwas falsch zu machen – falsch im sinne von peinlich. im sinne von langweilig. im sinne von: nicht so im paket vorgesehen.
versteht mich nicht falsch, ich hatte viel spaß schon und sehr gute erfahrungen. aber wenn ich zurückdenke, hat mich diese angst und diese verunsicherung und dieser druck (fast) immer begleitet. und das ist doch ganz schön scheisse!

ich glaube da spielen sehr viele faktoren mit rein: unwohlsein_unsicherheiten mit dem eigenen körper, die von riot trrrans* geschilderten kompromisse, die ein loslassen oder entspannen kaum möglich machen. weil es eben kompromisse sind.
weil darüber nicht geredet wird, weil das erwartungspaket meist einfach bestehen bleibt, nicht dekonstruiert wird.
reden über das was wir wirklich wollen ist tabuisiert.
treffen personen aufeinander, die beide oder die alle von sexismus betroffen sind, scheint mir die wahrscheinlichkeit dass es beiden_allen schwer fällt über bedürfnisse_grenzen_erfahrungen zu sprechen besonders hoch. was ja strukturell auch irgendwie nicht verwunderlich ist. die möglichkeit dass die beteiligten personen gewalterfahrungen gemacht haben steigt auch und damit die notwendigkeit damit umzugehen. am besten nicht alleine, sondern gemeinsam und mit den menschen mit denen körperliche nähe geteilt werden möchte.

dazu müss(t)en aber erstmal die pakete weg. aufschnüren, anschauen, wegwerfen. bei null anfangen. schon mal versucht wirklich bei null anzufangen? ohne jegliche ideen und erwartungen? das ist ganz schön toll. damit meine ich nicht behaupten zu können dass ich meine sozialisation und meine erfahrungen und gelernten erwartungen einfach abschalten kann. aber ich kann mir diese bewusst machen soweit mir das gelingt. und dann versuchen sie beiseite zu legen und raum zu schaffen für das, was wirklich meine bedürfnisse – und die anderer – sind.
erstmal überhaupt nicht davon auszugehen dass sex (oder das was sich meist darunter vorgestellt wird) überhaupt eine rolle spielen muss_sollte. beziehungen umzugestalten und neu gestalten. nach den jeweiligen bedürfnissen der beteiligten personen. mit dem grundsatz: absoluter konsens. von nichts einfach ausgehen. mit meinen erwartungen bei null anfangen.
sich mal zu fragen: warum denke ich dass sex so und so und so aussehen muss? wie genau denke ich soll das alles aussehen? was davon mag ich denn wirklich?
wieso soll ich mich eigentlich jedes mal ausziehen (lassen) wollen? wieso soll ich eigentlich irgendein „ziel“ verfolgen mit vorher nicht abgesprochenen, nicht mal groß drüber nachgedachten schritten?
was davon macht mir angst? was macht mich unsicher und wobei fühle ich mich nicht gut? und warum?
und wenn ich mich unwohl fühle, was hat das dann in einer zwischenmenschlichen begegnung zu suchen in der es darum gehen sollte dass sich alle beteiligten gut fühlen?

ich kann die wut und die frustration die im text steckt sehr gut nachvollziehen. ich weiß mittlerweile dass es mir möglich ist diese angst zu verlieren und der frustration und den schlechten erfahrungen etwas entgegenzusetzen, auch wenn das manchmal ganz schön anstrengend ist. und natürlich braucht das personen, mit denen ich reden kann und die ähnliche gedanken haben und lust haben, sich auf das anstrengende einzulassen. was dann ganz schnell gar nicht mehr so anstrengend ist. oder jedenfalls ein gutes anstrengend.
zu versuchen, der sozialisation und der internalisierten kackscheisse und den tabus ein wenig und mehr zu entrinnen und w_orte zu finden, sich absoluten konsens als grundvoraussetzung für alles zu setzen. personen kennenzulernen, die das auch so sehen. den mut zu finden zu sprechen und ab_zu_sprechen und wertzuschätzen. auch wenn mal worte fehlen und die vielleicht holpern oder total schwer fallen.
wenn das schwer fallen und das holpern eingeordnet und wertgeschätzt wird, ist das schon gar nicht mehr so schwer.
das beste gefühl ist allerdings die abwesenheit von erwartungsdruck und die abgesprochene abwesenheit von festgelegten abläufen. also die abwesenheit dieser schweren, erdrückenden pakete, die kompromisse erzwingen und grenzüberschreitungen fördern und unwohlsein herbeiführen.
wenn über verunsicherung gesprochen werden kann und klar ist, dass diese unsicherheiten vom gegenüber nicht abgewertet sondern gerade eben wertgeschätzt werden, dann kann das für mich sehr viel verunsicherung kleiner machen oder es kann ein umgang damit gefunden werden, der mir diesen punkt des verkrampfens vor unwohlsein und angst und grenzüberschreitung wegnehmen kann.

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Ein Kommentar zu “„i [don’t] believe in sex“

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